Der „perfekte“ Lebenslauf – zeitgemäßes Muss im Recruiting?

In unserem veralteten, aus der Zeit der Industrialisierung stammenden Recruiting werden Menschen wie Maschinen behandelt – dieser Ansicht ist zumindest Henrik Zaborowski, Recruitingexperte und Redner.

Die Produktdaten bzw. Qualifikationen der Maschinen – pardon, Menschen – werden in Lebensläufen dargestellt. Doch ist eine reine Auflistung von Bildungsweg, früheren Arbeitgebern und Qualifikationen überhaupt noch zeitgemäß? Gerade in Zeiten des Wandels, in denen New Work in Unternehmen immer wichtiger wird – zumindest behaupten dies die Unternehmen selbst – rückt auch die Persönlichkeit des Menschen in den Mittelpunkt – und somit weg von der Maschine? Doch der Schein trügt: In den meisten Unternehmen ist die Persönlichkeit der Mitarbeiter unwichtig, es zählt lediglich der reibungslose Ablauf sämtlicher Prozesse. Mitarbeiter sollen funktionieren, ihre Persönlichkeit rückt dabei weit in den Hintergrund.

Perfekter_Lebenslauf_Kreidebild

Aber – wir leben in Zeiten des digitalen Wandels, in denen der Mensch und seine menschlichen Merkmale nun doch immer wichtiger werden. Einfache, routinemäßige Aufgaben werden von Computern übernommen, sodass der Mensch plötzlich wieder kreativ, eigenständig und innovativ handeln darf. Müssen Unternehmen nun also von ihren festgefahrenen Ansichten abweichen und den Menschen wieder als Mensch sehen, um weiterhin erfolgreich wirtschaften zu können?

Ein perfekter Lebenslauf? Ein Mythos oder doch ein Muss im Recruiting?

Der Grundstein dazu wird im Recruiting gelegt. Wer die optimalen Kandidaten für eine offene Stelle findet, macht alles richtig. Doch die passenden Mitarbeiter zu finden, ist leichter gesagt als getan. Während das Anschreiben in einigen Unternehmen bereits an Bedeutung verliert, bleibt ein Faktor konstant – der Lebenslauf. Er soll Menschen vergleichbar machen und somit helfen, die richtigen Mitarbeiter aus der Masse an Bewerbern herauszufiltern. Um hier als Bewerber aufzufallen, sollte der Lebenslauf vor allem eines sein – „perfekt“. Welche Qualifikationen und Fähigkeiten dabei als optimal gelten, definiert jedoch jeder Personaler anders. Und gerade das macht es für Bewerber so schwer, den „perfekten“ Lebenslauf zu erstellen. Doch gibt es den überhaupt? Was nützt es, den Lebenslauf mit auf das Unternehmen zugeschnittenen Qualifikationen und Lebensstationen aufzupeppen, nur um dann eingestellt zu werden und festzustellen, dass sein eigentliches Ich gar nicht zum Job passt? Nein, den „perfekten“ Lebenslauf gibt es nicht. Unendliche Ratgeber und Karriereseiten versuchen trotzdem, Tipps für die optimale Bewerbung zu geben. Hier liest man dann Dinge wie:

  • Gestalte Deinen Lebenslauf so interessant wie möglich!
  • Wirke individuell und persönlich!
  • Achte darauf, Qualifikationen und Fähigkeiten zu nennen, die zu dem Unternehmen passen, bei dem Du Dich bewirbst!

Allein diese kleine Auswahl zeigt, wie widersprüchlich Tipps zum „perfekten“ Lebenslauf sein können. Allerdings ist es sicherlich hilfreich, sich mit dem eigenen Lebenslauf auseinanderzusetzen und Feedback aus früheren Bewerbungsgesprächen umzusetzen. Die meisten dieser Tipps beziehen sich jedoch nicht rein auf den Inhalt des „perfekten“ Lebenslaufs, sondern vor allem auf dessen Design. Klare Strukturen, Kurzprofile mit den wichtigsten Qualifikationen und eine umgekehrt chronologische Reihenfolge der Erfahrungen – so wird der Blick des Personalers direkt auf die aktuelle Tätigkeit gelenkt – tauchen wiederholt auf.

Auch die farbliche Anpassung des Layouts auf das jeweilige Unternehmen, angelehnt an dessen Corporate Design oder im Spiel mit der Bedeutung der Farben, wird gerne genannt. Eine sinnvolle Auswahl der eigenen Hobbys kann die Persönlichkeit unterstreichen und sich positiv auf die Bewerbung auswirken. Allgemein scheint zu gelten: Aus der Masse herauszustechen ist gut, zu stark auffallen sollte man aber dennoch nicht.

Kreativität zahlt sich aus, aber in Maßen – Widersprüche über Widersprüche?

Fakt ist, dass es keine Anleitung zur Gestaltung eines „perfekten“ Lebenslaufs gibt, der in allen Unternehmen Gültigkeit besitzt. Personaler sind auch nur Menschen, die eine eigene Persönlichkeit haben und somit bestimmte Qualifikationen oder Formulierungen im Lebenslauf gut finden, während andere einen Bewerber genau deswegen aussortieren würden. Die Auswahlkriterien sind also selten sachlich und stehen oft in überhaupt keinem Zusammenhang mit den fachlichen Kompetenzen oder Soft Skills des Bewerbers. Zu viele Bewerber werden zu früh aussortiert. Genau hier greift der Competence-Monitor von 100 Worte: Wir können mithilfe unserer Software die Soft Skills der Bewerber aus ihren Bewerbungsschreiben herauslesen, sodass die Persönlichkeit der Kandidaten von Beginn an beachtet und im Entscheidungsprozess berücksichtigt wird.

In den kommenden Jahren werden wir sehen, ob und wenn ja, wie viele Unternehmen ihre Traditionen und Gewohnheiten zurücklassen und den Fokus im Recruiting wieder auf den Menschen legen, anstatt sich zu lange an seinem „Produktdatenblatt“ aufzuhalten.

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